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Alexander Schick - Interview




Wurde die Bibel gefälscht?

Höhlenfunde erhellen Hintergründe


Bei einem internationalen Kongress in Rimini/Italien im August 1993 sahen über 100.000 Besucher Alexander Schicks Dokumentation über die berühmten Höhlenfunde von Qumran.

Herr Schick, was hat Sie veranlasst, so viel Zeit und Energie für die Beschaffung der Exponate einzusetzen?

Schick:
Als ich 12 Jahre alt war, zeigte uns der Religionslehrer eine Kopie der Jesaja-Rolle von Qumran und erzählte uns die Geschichte ihrer sensationellen Entdeckung. Dies entfachte mein Interesse. Allerdings ahnte ich damals nicht, dass ich eines Tages mit den Qumran-Forschern zusammen arbeiten würde.

Wie entstand das wandernde Bibelmuseum?

Schick:
'Vor fünf Jahren begann ich mit dem Aufbau einer Dokumentationsausstellung zur Geschichte der Qumran-Schriftrollen und kombinierte sie mit der Überlieferungsgeschichte der Bibel. Die Ausstellung wird von Diavorträgen begleitet.

Welches Echo haben Sie bisher gehabt?

Schick:
Es werden dadurch auch Personen erreicht, die sich bisher kaum um die Bibel gekümmert haben. Immer wieder bedanken sich Besucher, weil sie eine grundlegende und vor allem allgemein-verständliche Einführung in die Thematik bekommen hätten.

Können Sie uns etwas über die Schriftrollen sagen? Enthalten sie Geheiminformationen über Jesus und Paulus?

Schick:
Die überwiegende Mehrzahl der hebräischen Schriftrollen stammt aus dem 3.-1. Jahrhundert vor Christus. In keinem dieser Texte findet man die Namen Jesus, Paulus, Johannes, Petrus oder Jakobus. Auch „Geheiminformationen" über die Entstehung des Christentums enthalten die Texte an keiner einzigen Stelle!! Solche Behauptungen entbehren jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. Texte, die nachweislich lange vor Christus aufgeschrieben worden sind, können keine neuen Informationen über Jesus bringen. Der Vatikan hatte niemals etwas mit der Herausgabe der Qumran-Schriftrollen zu tun, wie behauptet wird. Das ist alleine Angelegenheit der Israelis.

Was ist denn so brisant an den vor 50 Jahren entdeckten Schriftrollen?

Schick:
Eine Gefahr für das Christentum sind die Qumran-Rollen in der Tat nicht. Sensationell sind sie aber auf jeden Fall.

Unter den fast 900 Schriftrollen aus den Qumran-Höhlen hat man Abschriften aller alttestamentlichen Bücher gefunden mit Ausnahme vom Buch Esther. Diese Bibeltexte gehen bis ins 3. Jahrhundert vor Christus zurück. Vor den Qumran-Funden stammten die ältesten Bibeltexte aus dem 1. Jahrtausend nach Christus. Man kann nun den Bibeltext um etwa 1200 Jahre weiter zurückverfolgen. Das ist die ganz große Sensation! Den Bibeltext, wie er uns bekannt ist, den gab es ebenso schon in Qumran vor über 2000 Jahren.

Aber auch für die neutestamentliche Forschung sind die Qumran-Texte von Wichtigkeit. Außer dem Neuen Testament und den Werken des jüdischen Historikers Flavius Josephus (37.-100 n. Chr.) hatte man keine Originalliteratur des antiken Judentums. Um das historische Umfeld zur Zeit Jesu zu rekonstruieren, konnte man nur auf spätere jüdische Werke zurückgreifen. Durch die Entdeckung der Qumran-Schriftrollen hat sich das aber völlig geändert. Mit den Schriftrollen liegt uns eine gigantische antike Bibliothek vor.

Warum haben Sie fünfzig Jahren nach der Entdeckung von Qumran noch ein Buch darüber geschrieben?

Schick:
Vor 50 Jahren war das öffentliche Interesse an den Qumran-Texten enorm. Keine Tageszeitung oder Illustrierte, die nicht in Schlagzeilen darüber berichtet hätte. Aber nur eine Handvoll der Autoren waren Augenzeugen. Schon damals enthielten viele Veröffentlichungen mehr blühende Fantasie als gesicherte Ergebnisse. Dann wurde es ruhig um die Schriftrollen. Erst seit wenigen Jahren stehen die Qumran-Texte erneut im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Auslöser dazu war das Buch „Verschluss-Sache Jesu". Plötzlich wollte jeder wissen, ob der Vatikan tatsächlich Dokumente zurückbehalten hat und was wirklich in den Rollen steht. Durch meine vielen Gespräche mit den an den Qumran-Funden direkt beteiligten Forschern hatte ich so viele unglaublich spannende Hintergrundinformationen erhalten, dass ich mir sagte: Das musst du auch anderen mitteilen. Und du musst es so niederschreiben, dass jeder es versteht. Vor allem wollte ich beteiligte Forscher zu Wort kommen lassen und authentisches Dokumentationsmaterial vorlegen.

Was unterscheidet Ihr Buch von anderen Publikationen über Qumran? Für welche Zielgruppe haben Sie es geschrieben?

Schick:
In den 50er Jahren wurde ein Spezialistenteam von sieben Wissenschaftlern nach Jerusalem geholt, um die Funde zu sichten. Nur drei von ihnen veröffentlichten damals darüber allgemein verständliche Bücher. Mit meinem Buch wollte ich die beteiligten Forscher zu Wort kommen lassen. Außerdem habe ich bei meinen Reisen so einmaliges Material bekommen, dass daraus ein aufwendig gestalteter Bildband erstellt werden konnte. Es wird darin die gesamte Entdeckungsgeschichte der Qumran-Rollen geschildert, sowie ihre theologische Bedeutung für den christlichen Glauben. Jeder kann auch ohne theologische Vorkenntnisse die Zusammenhänge verstehen. Die Qumran-Funde sind ein ganzes Bündel von Argumenten für und nicht gegen die Bibel.




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